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Carpaccio

Wer „isst" eigentlich dieser Carpaccio?

Giuseppe, der „Cipriani-Padrone" von Harrys Bar in Venedig,
hat „ihn" erfunden. An einem Nachmittag, ich hab's mir erzählen lassen, die Köche waren schon am Strand. Zwei schicke Mädels hatten Hunger. Also, ab in die Küche, dort standen zwei große weiße Teller mit ein bisserl Grün, Salat oder Ruccola, darauf dünne, geklopfte Rindsrückenscheiben - die Mise en Place (Vorbereitung) für Paillard de Boeuf vom Chianina-Rind - er zauberte im Schneckenmuster Senfmayonnaise drauf, weil die im Dressiersack mit Spritztülle vorbereitet da lag. Am Tisch stand Olivenöl, Meersalz und Pfeffer. Die Damen kosteten verzückt, fragten: „Was ist das?" Er: „Carpaccio! " Zu der Zeit lief eine Austellung und ganz Venedig war beflaggt mit einem Bild in der kräftigen Farbe von Rindfleisch, der Lieblingsfarbe des Malers und Meisters Vittore Carpaccio.

Mein Tipp: In meinem Lokal in der Nähe Mistelbachs gibt es fast immer in irgendeiner Form Blutwurst, denn Hermann Nitsch hat dort sein Museum. Ob nun zwei Damen kommen, oder der Meister selbst: Ich nehme zwei Radieschen, einen Kohlrabi, etwas grünen Salat, alles wird hauchdünn geschnitten, schön aufgelegt, darüber Mautner Markhofs Holunder-Balsamico-Essig, etwas Apfelkren, zwei gebackene Blunzn-Radln, Salz und Pfeffer. Fast ein „Carpaccio" oder einfach „Nitsch". Mahlzeit!
Falls Sie Nitsch nicht mögen, mit Henderl oder Fisch schmeckt es genauso fein!

Ihr Manfred Buchinger,
Weinviertler Wirt mit internationaler Küchenchef-Vergangenheit.