Ende der Sechziger Jahre wurde die Qualität des Koches an den Entfernungskilometern seiner Produkte gemessen, im KADEWE (Kaufhaus des Westen) in Berlin gab es Löwenfleisch und Gazellenbraten, dazu trank man keniatisches Bier mit Elefantenkopflogo. Bodenständiger ging es in meinem Zuhause zu: Dort standen zwar auch Nierentische und Lilienporzellan im Wohnzimmer, mein Vater war Bauschlosser, aber noch heute, wo sich die Essige mit den wildesten Geschmackskomponenten matchen, möchte ich den Erdäpfelsalat nur mit Hesperiden-Essig und Rapsöl. Wie in meiner Kindheit.
Mein Tipp: Jetzt gibt es überall die einheimischen Heurigen Erdäpfel. Meine Mutter ging damals in den Garten und schnitt etwas Zwiebelgrün ab ( das macht den Zwiebeln nichts, sie wachsen weiter), heute nehme ich Jungzwiebeln, fein geschnitten, Mautner Markhofs Estragonsenf, Hesperiden-Essig, Rapsöl, Salz, es darf ein bisserl mehr beim Zucker sein, alles majonnaiseartig anrühren und mit heißer Gemüsesuppe verlängern. Heurige Erdäpfel waschen, kochen, schälen, noch heiß in die Marinade rein „späutl'n"(Scheibchen schneiden) und es macht nichts, wenn die Erdäpfeln etwas „gatschig" werden, man schmeckt so das Besondere der Heurigen fast noch besser. Auf Glasteller mit etwas Zwiebelgrün anrichten, darüber ein Spiegelei, frischer, grob gemahlener schwarzer Pfeffer...Mahlzeit!
Übrigens: In der griechischen Mythologie waren die vier Hesperiden die Wächterinnen des Apfelbaumes der Göttin Hera.
Ihr Manfred Buchinger
Weinviertler Wirt mit internationaler Küchenchef-Vergangenheit.