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Mimose

Mimosen und der Duft der kleinen Welt.


Im kleinen Dorf, ein Bauer, der letzte, ändert alles auf Biobetrieb, das nennt sich „Umstellungsphase" im Agrarier-Regeldeutsch, es wird wieder richtig gedüngt, er hat wunderschöne schwarze Ochsen, die frei leben, leider nicht geruchlos. Ein Städter, bei gutem Wind aufs Land gezogen, die große Firma brauchte Frischblut, deshalb hat er schon früh viel Zeit, schickt prompt Polizisten aufs Feld, als hätten die sonst nix zu tun, müssten mehr darauf achten, dass unsereiner nicht ständig auf Straßen artgerecht stirbt...Wenn der kleine Weinviertler Manfred gegen Ende der großen Ferien zum Pepi Onkel, den Straßenbahner, der schon 1958 den Großglockner mit dem Lohnerroller und der Käthi Tant am Sozius bezwang, er war ihr Patenkind, in die Märzstraße in Wiens 15. Bezirk kommen durfte, in den Gemeindebau, blieben die Düfte in der Erinnerung bestehen: 1er-Stiege: Gulyas. 3er-Stiege: gröste Leber, 3. Stock: die Schnitzel von der Tante!

MEIN TIPP: Zum Schnitzel (vom Bio-Kalb, Schwein, aber auch Rind oder Lamm schmeckt, paniert und in echtem Butterschmalz herausgebacken, ausgezeichnet) passt am besten Salat „Mimosa". Dafür Häuptlsalat gut waschen, abtropfen lassen, mit Salz, Zucker, Öl (damit ham's früher g'spart), Mautner Markhof Apfelgold Essig, mit etwas Mautner Markhof Estragon Senf die Marinade abschmecken, frischen Schnittlauch und Liebstöckl dazu, darüber reichlich hart gekochte Eier reiben. Mahlzeit!

„Auf den Salat ist die Tante wie eine Mimose", hat der Onkel gesagt. Nach dem Essen haben sie sich zurückgezogen in der Einzimmer Wohnung und ich las in der Küche „Die Bären von Schönbrunn", den „Harry Potter" der 50er Jahre.

Ihr Manfred Buchinger
Weinviertler Wirt mit internationaler Küchenchef-Vergangenheit.